Der 2AL erobert das Kanzleramt

Wer erobert das Kanzleramt? - Auf die Beantwortung dieser Frage mussten wir keine endlosen Koalitionsverhandlungen abwarten. Das Kanzleramt eroberte eigentlich nicht Herr Kurz, denn es wurde bereits vorher erobert, und zwar vom 2AL.

 

Politische Bildung mitten im Zentrum der Macht – So lautete die Devise, als der 2AL Gelegenheit erhielt, die wichtigsten Schaltstellen der Republik zu inspizieren. Eine hochinteressante Führung durch das Bundeskanzleramt gab dazu ausgiebig Gelegenheit. Der Leiter der Abteilung für Medienangelegenheiten, Herr Dr. Matthias Traimer, hatte sich persönlich Zeit genommen, die vorbildlich interessierten und wissbegierigen Schülerinnen und Schüler durch die ebenso geschichtsträchtigen wie gegenwarts- und zukunftssteuernden Räumlichkeiten zu begleiten.

 

Der Erwerb staatspolitischer sowie historischer Erkenntnisse wurde durch so manche Anekdote ergänzt, wobei sich erwies, dass es auch hohen Beamten nicht an Humor fehlen muss. Man erfuhr unter anderem, dass der Ballhausplatz ehemals eine Ballspielhalle für Adelige beherbergte, dass Herr Metternich seine Familie im Kanzleramtsgebäude unterbrachte, um seine Frau von seinen zahlreichen Mätressen in den umliegenden Prachtbauten fernzuhalten, dass Bruno Kreisky sein Büro als „Zigarrenkistl“ heruntermachte und dass Julius Raab das offizielle Gemälde von der Staatsvertragsunterzeichnung so hässlich fand, dass er es sofort im Keller verschwinden und durch ein neues Bild ersetzen ließ. 

 

Den Abschluss bildete eine Wanderung durch den sagenumwobenen unterirdischen Gang, der das Bundeskanzleramt und das Innenministerium mit der Hofburg verbindet, wobei er früher als Fluchtweg oder – anlässlich der Angelobung unliebsamer Regierungen – als uneingesehene Alternative zur Konfrontation mit dem Volk diente, heute hingegen primär zum wettergeschützten Aufsuchen der gemeinsamen Kantine.

 

Die hohe Politik wurde der Klasse jedenfalls zweifellos nähergebracht, und – wer weiß? – vielleicht  wird man bereits in einigen Jahren Gelegenheit haben, das Motiv des einen oder anderen obligaten Selfies – eine/n unserer Schüler/innen auf dem Sessel eines hochrangigen Politikers – und dann nicht nur fürs Foto, sondern z.B. fürs Fernsehinterview, neuerlich betrachten zu können.